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Compagnie No.1 | Flensburg | Dr. Dietmar Höhne | Michael Krebs | Marc Oliver Lutze | Arbeiten

Dr. Dietmar Höhne

Kompagniestr. 1
24937 Flensburg

Tel.: 0461-168 22 02

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

Mission accomplished

(Zitat von G.W. Bush, mit dem er den Irakkrieg für beendet erklärte und seine Mission als erfüllt sah). 2005, digitale Montage, Digitaldruck auf Metallplatte, 210x140 cm, digitale Hilfe: Dobri Gjurkov

Was vor 2000 Jahren in Golgatha geschah, geschieht immer wieder, die Menschlichkeit wird ans Kreuz geschlagen. Unter dem Vorwand höherer Ziele wird Krieg geführt, gefoltert; was dabei herauskommt, ist Grausamkeit und neue Gewalt.
"Der Kapuzenmann" aus Abu-Guraib ist hierfür eine ikonische Figur. In ihr verkörpert sich der Missions-kreuz-igungs-zug durch die Jahrtausende, gestern eines G.W.Bush ("mission accomplished"), als Zeugnis guten Gewissens und rechten Glaubens. Daß Christus aus ihr aufscheint, ist letzte Hoffnung auf Vergebung, denn sie wissen nicht, was sie tun, und Auferstehung von den Toten, Verheißung neuen Lebens.
Die Bildunterschrift "ecce homo" weist auf alle Menschen hin, jeden.
ECCE HOMO
Weniger als die Hoffnung auf ihn
Das ist der Mensch
Einarmig
immer

Nur der Gekreuzigte
beide Arme
weit offen
der HIER-BIN-ICH
Hilde Domin

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

Machtverhältnisse - Herrschafts-, Konsum und Höhere Macht

2005, digitale Montage, Digitaldruck auf Didond-Platte, 242x80cm, digitale Hilfe: Dobri Gjurkov

Hier ergänzen sich die Bilder durch die rote Farbe, eher ein Nebeneffekt, sowie die auf den ersten Blick ähnlichen Körperhaltungen ( auf den Knien, Hände beieinander ) und Sinnes-Abschirmungen ( Augen, Ohren ) der beiden “Rand”-Gruppen, beide in abgeschlossenen Räumen, Guantanamo- Gefangene in erzwungener Haft und Unterwerfung an eine folternde Herrschaftsmacht, meditierende Sannyasins in einem Ashram in selbstbestimmter Zuwendung und Hingabe in der Meditation an eine stellvertretend Höhere Macht. Unter der Konsummacht dazwischen purzeln die japanischen Kaufhaushostessen durcheinander, für die Werbung unpersönlich arrangiert.

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

“60 Jahre danach” - “survival of the fittest”

(Zitat nach Herbert Spencer) 2005, digitale Montage, Digitaldruck auf Acrylglas, 200x95cm, digitale Hilfe: Dobri Gjurkov

Mir war aufgefallen, dass anlässlich der 60-Jahresfeiern zum Kriegsende ( 1945/2005 ) scheinbar plötzlich Streifenanzüge inflationär in Deutschland in Mode kamen, ich weiß nicht genau, ob nur in Deutschland, doch fast jeder kaufte sich einen. Natürlich gab es schon Streifenanzüge in den 20igern, eher selten und von bestimmten Personengruppen ( Mafiosi, Banker ) getragen, aber gemäß einer psychoanalytischen Erkenntnis Sigmund Freuds: “Alles Verdrängte kehrt wieder” schien es mir nahe liegend, dass sich hier der ins Unbewusste verdrängte und verleugnete kollektive Schuldanteil am Holocaust, Streifenanzüge der KZ-Häftlinge, wieder ein Erscheinungsbild verschaffte, ein Versuch der Integration, wenn auch unter der Maske der kollektiven, scheinbar persönlichen Aneignung eines Streifenanzuges, sich ins Erinnern, ins offen Sichtliche, ins kollektive Bewusstsein zu bringen. Dass die Streifenanzüge in vielen Männerzeitschriften u. a. in der “Männer GQ” unter der Überschrift. “survival of the fittest” beworben wurden, wirkt in diesem Zusammenhang besonders deutungsvoll, wenn man weiß, dass dieser Spruch von dem englischen Sozial-Philosophen Herbert Spencer, 1864, stammt, einem geistigen Wegbereiter der Rassenideologie der Nazis, u. a. der Unterscheidung von wertem und “unwertem Leben”. Sollten die Redakteure wirklich so unwissend gewesen sein!

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

Before Aids - After Aids

2008, digitale Montage, Fotoabzug gerahmt, 65x24 cm ( digitale Hilfe: Uli Strempel und Marc Oliver Lutze )

Für mich eine Zeitenwende. Sexualität als “größter existenzieller Vollzug” ( Bert Hellinger ), weil von der Existenz in den Dienst genommen, vom Ursprung her das Leben weiter zu geben, war immer mit dem Tod verbunden. Vor Ignaz Semmelweiß, Mitte des 19. Jahrhunderts, dem Entdecker der iatrogenen Staphylokokkeninfektion unter der Geburt, starben viele Frauen im Kindbett, schon in früheren Zeiten bei Geburtskomplikationen oder bei missratenen Abtreibungsversuchen, fast die Hälfte der geborenen Kinder entweder wegen Schwangerschaftskomplikationen, unter der Geburt oder an zahlreichen Kinderkrankheiten; auf jeden Fall war der Tod ein ständiger, alltäglich erfahrbarer und natürlicher Begleiter von Sexualität und ihren Folgen; nicht zu vergessen die klassischen Geschlechtskrankheiten. Alles das erlebn wir noch heute in der sog. “Dritten Welt”. Mit zunehmendem wissenschaftlichen Fortschritt und veränderten Lebensbedingungen in den westlichen Industrieländern und das, was sich “zivilisiert” nennt, verschwand der Tod in Zusammenhang mit der Sexualität wie auch in anderen Bereichen des polaren Gegensatzes zum Leben fast vollständig aus der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung, bis er, wie auch hier der Verdrängung und Verleugnung anheim gefallen, quasi “durch die Hintertür” ( zuerst bei den Homosexuellen ) durch Aids nun wieder offen sichtlich geworden ist. Jeder sexuelle Kontakt trägt von seiner ursprünglichen “Aufgabe” Leben zu (er)(be)zeugen potentiell den Tod in sich.

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

Binär

2008, Collage aus Zeitungsausschnitt-Fotos, gerahmt, 28x20 cm

Zu sehen sind das Foto einer Festplatte und eine Luftaufnahme des Konzentrationslagers Auschwitz. Die beiden Bilder gehörten für mich vom ersten gemeinsamen Anschauen sofort zusammen, ohne ihren gemeinsamen Inhalt zu erfassen. Das geschah erst im Laufe von Wochen. Die Festplatte ist codiert durch 0 und 1, Das KZ durch Tod und Leben. ( Beides ein Hinweis meiner Frau Lieselotte ). Wie mir ein Freund einige Zeit später mitteilte, lief die Datenerfassung in den Kzs mit Hilfe des “Hollerith“- Verfahrens, Erfindung eines Deutschen, und stellt den Vorläufer der Datenverarbeitung eines Computers dar.

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

Szenen aus der biblischen Endzeit

2007, Collage aus Zeitungsausschnitt-Fotos, digital bearbeitet, gerahmt, 70x50 cm, ( digitale Hilfe: Uli Stempel )

Angeschwemmte Wale vermischen sich mit angeschwemmten Tsunamiopfern. Darüber lässt sich vielfältig meditieren.

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

Weltennot

2007, Collage aus Zeitungsausschnitt-Fotos, gerahmt, 70x50 cm

Atomblendung

Dietmar Höhne - Arbeiten - Compagnie No.1

Geh zur Armee

2007, Collage aus Zeitungsausschnitt-Fotos und eigenen Ergänzungen, gerahmt, 70x50 cm

Fast zeitgleich mit der teils großformatigen reißerischen Sixt-Reklame in Wochen - und Tageszeitungen geschah ein Anschlag auf die Bundeswehr- “Armee” in Afghanistan. Ein Versuch die Anzeige zu stoppen war fehlgeschlagen, sie war schon im Druck und in der Auslieferung. Um diese Zeit von der Regierung der “Kriegs”- Einsatz immer noch geleugnet, erschien am 26. 03. 2007 im “Husumer Tageblatt” ein Zeitungsartikel mit der Überschrift: “Auslandseinsatz- Wenn Papa im Krieg ist”, “…über Angst, den Tod und die Bewältigung des nicht alltäglichen Lebens zwischen Krieg und Frieden” Der Artikel, eine seltsame Mischung aus Bagatellisierung und Verherrlichung, makaber die Textstelle: “…am letzten Tag, bevor er zu seinem ersten Einsatz fuhr, haben wir dieses Grundstück gekauft. Er hat sein Testament geschrieben, dass wir es bekommen, wenn er nicht zurückkehrt.” Die Collage zeigt zugleich ein Bild eines verwundeten Soldaten im deutlich erkennbaren psychischen Ausnahmezustandes, ohne “Augenbalken”, für mich ein Beispiel für obszönen medialen Voyeurismus, zugleich Pendant zur Sixt-Verheißung. Das Gedicht “Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg…” habe ich der Neuzeit gemäß umgereimt.